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Labor: Events 2013/14

Widerspruch und Gewissheit

Sezgin Boynik, Mihaela Brebenel & Vlad Morariu, Fokus Grupa, Freee Art Collective, Petra Gerschner, Cathleen Schuster & Marcel Dickhage
Abschlussausstellung kuratiert von Andrei Siclodi
Ausstellungseröffnung: Mi 11. 06. 2014, 19.00 KUNSTPAVILLON
Dauer der Ausstellung: 12. 06. – 26. 07. 2014


Eine Ausstellung im Rahmen des Internationalen Fellowship-Programms für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen 2013/14.

Die Ausstellung Widerspruch und Gewissheit beschäftigt sich mit künstlerischen Ausformungen widerständigen Handelns gegenüber kapitalistischen Ideologismen der Gegenwart: der Selbstreferenzialität des Finanzkapitals, der allgemeinen Kommodifizierung der Arbeit und des Wissens sowie der Wachstumsbeschleunigung sozialer Ungerechtigkeit.

Paradoxien des Spekulativen in Kunst und Kapital, der Umgang der Hegemonie mit Protest und Geschichtsschreibung, gegenwärtige Formen institutionskritischer Praxis in der Kunst sowie Fragen politischer Formierung und der Selbstverwaltung durch konzeptuelle Kunstpraktiken geben die inhaltliche Matrix vor, in der die sechs teilnehmenden Positionen ihre jeweiligen Diskurse entfalten. „Widerspruch“ und „Gewissheit“ werden dabei nicht als fixe Pole einer dialektischen Argumentation, sondern als dynamische Begriffe zur Charakterisierung einer schizophrenen Lebensstimmung verstanden, die die gegenwärtige gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit zu kennzeichnen scheint.
Die Ausstellung Widerspruch und Gewissheit ist Ergebnis der Auseinandersetzung mit den Projekten, den künstlerischen Vorstellungen und Arbeitsweisen der TeilnehmerInnen am Internationalen Fellowship-Programm für Kunst und Theorie im Künstlerhaus Büchsenhausen 2013/14. Ihre künstlerischen Ansätze, Untersuchungsgebiete und Themen bildeten den Ausgangspunkt. Das kuratorische Konzept sah die schrittweise Entwicklung der Ausstellungsthematik und des Displays parallel zum Fortschreiten der Projekte der involvierten KünstlerInnen vor:
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Raumansicht Widerspruch und Gewissheit, 2014. alle Fotos: Daniel Jarosch

Ausgehend von der Prämisse, dass linguistische Postulate konstitutive Bestandteile für den größten Teil der konzeptuellen Kunst und Kunsttheorie sind, führte Sezgin Boynik in Büchsenhausen seine Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen Kunst und Slogans in künstlerischen wie in politischen Diskursen weiter. Das Projekt politics of the public body von Petra Gerschner stellte Fragen nach dem Verhältnis von Subjekt, Körper und Macht im Prozess der globalen Protestbewegungen. Es untersuchte „die Rückkehr der physischen Präsenz des Körpers als kollektive Ansammlung auf den Straßen und Plätzen der Welt“. Vlad Morarius theoriebasierte Untersuchung Parerga: the Politics of Framing in the Current Discourse of Institutional Critique fragte nach der Art und Weise, auf die gegenwärtige Praktiken der Institutionskritik Fragen der „Rahmung“ im Sinne Jacques Derridas (in seinem Buch Die Wahrheit in der Malerei) adressieren. Gibt es eine „Kritikalität der Rahmung“ (sowohl physikalisch wie auch konzeptuell) und wenn ja, wie verhält sich diese zum Erbe der historischen Institutionskritik? In ihrer aktuellen Arbeitsreihe über das Paradoxon des Spekulativen interessierte das KünstlerInnenduo Cathleen Schuster und Marcel Dickhage schließlich, wie sich eine Darstellbarkeit von Spekulation erreichen lässt und inwieweit eine künstlerische Öffnung des Begriffs für dessen (Wieder-)Aneignung ermöglicht werden kann.

Zu den fünf StipendiatInnen gesellen sich in der Ausstellung zwei weitere Positionen, die von Vlad Morariu eingeladen wurden und durch ihre Beiträge eine differenzierte Sicht auf heutige institutionskritische Praxen entfalten: das kroatische Duo Fokus Grupa und das britische KünstlerInnenkollektiv Freee. Fokus Grupa ist ein Künstlerkollektiv aus Rijeka, Kroatien, das eine interdisziplinäre Arbeit zwischen Kunst, Design und Kuratieren praktiziert. Ihre künstlerischen Strategien nehmen politische Formen an, ohne jedoch eine Repräsentation „politischer Kunst“ sein zu wollen. Das Kollektiv interessiert sich für die Verhältnisse zwischen Kunst und ihrer öffentlichen Manifestationen in Bezug auf Arbeitskultur, Ästhetik sowie soziale und ökonomische Tauschwerte. Freee ist ein KünstlerInnenkollektiv, das an Slogans, Billboards und Veröffentlichungen arbeitet, die die kommerzielle und bürokratische Kolonisierung der Öffentlichkeit als Ort der Meinungsbildung herausfordern. Freee besetzt den öffentlichen Raum mit Worten, ergreift Partei, artikuliert offen seine Ansichten und spaltet dadurch die öffentliche Meinung.

Für einen produktiven Umgang mit der eingangs beschriebenen schizophrenen Lebensstimmung erweist sich die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Momenten oder Geschichtskonstruktionsverfahren, deren (kritische) Betrachtung für die Gegenwart jeweils bedeutsam ist oder bedeutsam werden könnte, als hilfreich. Alle TeilnehmerInnen der Ausstellung beziehen sich folglich in der einen oder anderen Weise darauf.
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Ausstellungs-Sujet Widerspruch und Gewissheit (c) Annette Sonnewend, 2014

Im Eingangsbereich des Kunstpavillons begegnen BesucherInnen zunächst einer museal-skulpturalen Anordnung von Petra Gerschner, in deren Mittelpunkt ein handvergoldeter Pflasterstein steht. Die Installation Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen nimmt direkten Bezug auf das Museum „Tirol Panorama“ am Innsbrucker Bergisel, das dem „Mythos Tirol“ gewidmet ist. Dort werden u.a. die männlichen Protagonisten des „großen Kriegs“ Österreichs gegen das napoleonische Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts wie u.a. Feldherren oder Widerstandsanführer als holzgeschnitzte Figuren auf Sockeln dargestellt, während die anonymen Massen als „unbekannt“ durch leer belassene Sockel und einer Erwähnung auf einer Bodenplakette gekennzeichnet werden. Diese „Anwesenheit durch Abwesenheit“, deren Inszenierung – vermutlich unbewusst – Ausschlussmechanismen der Geschichtsschreibung aufs Neue reproduziert, nimmt Petra Gerschner zum Anlass ihrer künstlerischen Intervention: die Gruppe der „unbekannten Aufständischen“ wird auf dem Sockel durch einen handvergoldeten Pflasterstein repräsentiert – einen Stein, wie ihn Protestierende überall auf der Welt bei Demonstrationen gegen Unterdrückung und Ungleichheit als Verteidigungsmittel verwenden.
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im Vordergrund: Petra Gerschner, 2014

Die visuelle Dominante im Hauptraum des Kunstpavillons bestimmt die Deckenarbeit der von Vlad Morariu eingeladenen Fokus Grupa. Das Künstlerkollektiv hat 19 Nachzeichnungen von Originaldokumenten (Fotos, Manifesten, Plakaten oder Zeitungsausschnitten), die allesamt unterschiedliche Kapitel politischer (Arbeits-)Kämpfe von KünstlerInnen zwischen den 1920er und 1980erJahre in Westeuropa, den USA aber auch im ehemaligen Jugoslawien dokumentieren, auf Transparentpapier übertragen. Die Arbeit spielt formal mit dem klassischen Format des Deckenfreskos, das in der Kunstgeschichte religiösen Darstellungen oder Herrschaftsallegorien vorbehalten war. Hier geht es jedoch um das Konträre, um Bewegungen und Aktionen, die auf eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen (und ihrem Umfeld) abzielten.
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Fokus Grupa, 2014

Die theoretisch-grafische Intervention On Contradiction von Sezgin Boynik steht unter dem Einfluss der konzeptuellen Kunstpraxis der britisch-amerikanischen Gruppe Art&Language. In fünf unterschiedlichen Diagrammen, die von theoretischen Modellen von Niklas Luhmann, Alain Badiou, Mel Ramsden (Art&Language), Darko Suvin und Rastko Močnik inspiriert wurden sowie in dazugehörigen Textkommentaren, behandelt Boynik u.a. Fragen der „Verschlagwortung“ des Subjekts, der Ideologie oder des Klassenkampfes.
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Sezgin Boynik, 2014

Das Künstlerduo Cathleen Schuster und Marcel Dickhage setzt sich in zwei Videofilmen und einer dazugehörigen Publikation mit dem Themenkomplex der Spekulation in Kunst und Wirtschaft. Layers und Money and Trade Considered greifen jeweils auf das Mittel inszenierter Dialoge in bühnenartigen Settings. Ersterer zeigt einen runden Tisch im Fernsehstudioambiente, an dem sich eine Moderatorin, ein Ökonomiekritiker, ein Spekulant, zwei „faszinierte AnalystInnen“, der Journalist einer liberalen Zeitung und ein bildender Künstler gegenüber sitzen. Die ProtagonistInnen unterhalten sich u.a. über den Markt, dessen zukünftige Entwicklung, Vorhersagbarkeit und Kunst.
Das früher entstandene Video Money and Trade Considered thematisiert in einer probeartigen Anordnung mit Hilfe von 15 (Laien-)SchauspielerInnen vor einer Eigenbau-Kulisse an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht eine historische Episode der Finanzspekulation aus dem 18. Jahrhundert: die sog. „Mississippi Bubble“, eine Spekulationsblase, die durch den Bankier John Law und dessen Papiergeldpolitik verursacht wurde und schließlich zu einem „bank run“ in Frankreich führte. Schuster & Dickhage gestalteten auf Basis von Schriften von und über John Law und die Mississippi Bubble ein Stück in fünf Akten, in dessen Verlauf die Reinszenierung der Historie immer wieder mit Ereignissen des Zeitgeschehens der letzten Jahrzehnte verflochten wird.
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Cathleen Schuster und Marcel Dickhage: Money and Trade Considered

Ein visuelles Stück stillen Protests aus dem öffentlichen Raum wird mit der fotografischen Arbeit aus der Serie history is a work in process von Petra Gerschner in den Ausstellungsraum transferiert und zur Diskussion gestellt. Die Aufnahme eines Graffiti-Motivs, das kürzlich vor den Protesten am Taksim-Platz 2013 auf den Straßen von Istanbul vorzufinden war, zeigt die Kopfsilhouetten zweier vermummter (Burka tragender?) Frauen, die im Begriff sind, sich zu küssen. Das Sprayen dieses Bildes in den Straßen Istanbuls kann – nicht zuletzt auf Grund der ambivalenten Darstellungsweise – als ein emanzipativ-oppositioneller Akt gegenüber der Hegemonie betrachtet werden, die in der Türkei immer mehr die Grundzüge einer neoliberaler Autokratie auf Basis traditionell-islamischer Vorstellungen annimmt.
Das Video the politics of the public body, das im hinteren Raum des Kunstpavillons zu sehen ist und ebenfalls von Petra Gerschner stammt, setzt sich, so die Künstlerin, „mit dem globalen Prozess der Proteste zur Rückeroberung des öffentlichen Diskurses und Raums auseinander. Im Focus steht die physische Präsenz des einzelnen Körpers als sichtbares Zeichen (…) der Vielen, der Ausgeschlossenen, die zum entscheidenden Faktor gesellschaftlicher Kräfte- und Machtverschiebungen werden. Je totalitärer die staatliche Macht und ihre hochgerüsteten Repressionsorgane auftreten, desto ,nackter‘ erscheinen zunächst die Körper der Menschen in der Konfrontation. Und doch ist es gerade ihre ausdauernde, immer wiederkehrende sowie massenhafte reale Präsenz, die die herrschenden Mechanismen der Macht zunehmend außer Kraft setzen (können).“ Die daraus resultierende reale Gefahr für den einzelnen Körper wird schließlich eindrucksvoll in der gleichlautenden Fotosequenz vorgeführt: die Serie dokumentiert Handgriffe und andere körperliche Kontakttechniken der Polizei gegenüber DemonstrantInnen, deren primärer Zweck in der Zufügung von Schmerzen ohne sichtbar bleibender Schäden besteht.
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Petra Gerschner: history is a work in process

Während Petra Gerschners Arbeiten Kritik an Institutionen staatlicher Gewalt artikulieren, richtet Vlad Morariu das Augenmerk auf gegenwärtige Formen von Institutionskritik und diskutiert, ob und inwiefern Kunst heute die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen und begreifen, auch jenseits ihrer eigenen Institutionen beeinflusst. Vlad Morariu besinnt sich auf eines der wichtigsten Themen institutionskritischer Künstler der 1970er Jahre: dem Begriff des Rahmens. Er geht der Frage nach, inwieweit die Rahmung auch im gegenwärtigen kritischen Diskurs noch eine zentrale Rolle einnimmt. In seiner Gemeinschaftsarbeit [de][re]composition no.1 mit Mihaela Brebenel beschäftigt er sich mit einem technologisch aussortierten Konvolut an Dias, das sie im Müll am Goldmiths College of Art in London entdeckten. Eines dieser Dias, beschriftet als La Porte Voix Rouge de Masses/ Agitprop Theatre, Germany, 1920s, wird in der Ausstellung als einfache Projektion gezeigt, während der Rahmen des Dias selbst als Wandmalerei präsent ist. Das Bild entpuppt sich als die Darstellung eines Demonstrationsaufmarsches des ATBD (Arbeitertheaterbunds Deutschlands).
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Vlad Morariu und Mihaela Brebenel: [de][re]composition no.1, 2014

Eine andere Form der Bezugnahme auf Geschichte liefert der Beitrag von Freee Art Collective: ein Plakat, das im öffentlichen Raum am Fuß des Bergisels unterhalb des „Tirol Panorama“-Museums auf einer herkömmlichen Werbetafel angebracht ist. Darauf zu sehen ist das Foto einer Gruppe anonymer Menschen, die gemeinsam einen Banner mit dem Slogan „Protest Drives History“ vor sich halten. Das Foto ist auf den Kopf gestellt. Lediglich der Spruch weist die „richtige“ Ausrichtung auf. Das Plakat verweist auf das vorahnende/vorwegnehmende Potenzial einer Behauptung.
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Freee Art Collective: Protest Drives History


Die teilnehmenden KünstlerInnen:

Sezgin Boynik (*1977) ist als Soziologe und Autor in Helsinki tätig. Sein Soziologiestudium an der Istanbuler Mimar Sinan Universität schloss er 2003 mit einer Arbeit über die Situationistische Internationale ab. Derzeit schreibt Boynik seine Dissertation an der Universität von Jyväskylä in Helsinki, Abteilung für Sozialwissenschaften und Philosophie. Als Autor und Herausgeber von Magazinen im Bereich Kunst und Kulturwissenschaften hat er unter anderem Texte über die subversiven Widerstandsbewegungen im Jugoslawien der 1960er und 1970er, zu radikalen politischen Ideen oder über die Neue Slowenische Kunst verfasst. Boynik ist Mitverfasser des experimentellen Buchs Counter-Constructivist Model (La Fontaine Stories for Immigrants) paper-film in nine acts (2012, gemeinsam mit Minna Henriksson), außerdem Mitherausgeber der kritischen Anthologie Contemporary Art and Nationalism (2007, ebenfalls mit Minna Henriksson), sowie von History of Punk and Underground Resources in Turkey 1978-1999 (2007, gemeinsam mit Tolga Güldalli).
http://jyu.academia.edu/SezginBoynik

Mihaela Brebenel ist Autorin und Forscherin im Bereich Visual Studies. Gegenwärtig ist sie als Associate Lecturer am Goldsmiths in London tätig, wo sie auch an ihrem Doktorat arbeitet. Ihre Forschung ist in diesem Zusammenhang der Politik und der Ästhetik des Kunstfilms gewidmet, mit einem besonderen Augenmerk auf gegenwärtige Arbeiten aus Rumänien. Ihr Interesse gilt dabei den Prozessen der Produktion und Rezeption im Film.

Fokus Grupa ist ein Künstlerkollektiv aus Rijeka, Kroatien, das eine interdisziplinäre Arbeit zwischen Kunst, Design und Kuratieren praktiziert. Ihre künstlerischen Strategien nehmen politische Formen an, ohne jedoch eine Repräsentation „politischer Kunst“ sein zu wollen. Das Kollektiv interessiert sich für die Verhältnisse zwischen Kunst und ihrer öffentlichen Manifestationen in Bezug auf Arbeitskultur, Ästhetik sowie soziale und ökonomische Tauschwerte. Ihre Arbeit untersucht die inhärenten Machtstrukturen des Kunstbetriebs, wofür sie sich mit dessen ökonomischen, räumlichen und gesetzlichen Ausformungen auseinandersetzen. Das Kollektiv verfolgt die Erweiterung ihrer künstlerischen Praxis mittels Gedrucktem, Filmischem und Installativem, durch Arbeiten auf Papier, Diskussionen, Workshops und Texte.
http://fokusgrupa.net

Freee Art Collective
Freee ist ein britisches Kollektiv von drei KünstlerInnen: Dave Beech, Andy Hewitt and Mel Jordan. Gemeinsam arbeiten sie an Slogans, Billboards und Veröffentlichungen, die die kommerzielle und bürokratische Kolonisierung der Öffentlichkeit als Ort der Meinungsbildung herausfordern. Freee besetzt den öffentlichen Raum mit Worten, ergreift Partei, artikuliert offen seine Ansichten und spaltet dadurch die öffentliche Meinung.
http://freee.org.uk

Petra Gerschner (*1960) ist Künstlerin, Filmemacherin und Kuratorin und lebt in München. Sie untersucht mit ihren fotografischen Projekten, Videoarbeiten und Installationen im öffentlichen Raum Konstruktionen kultureller, post-kolonialer und identitärer Zuschreibungen sowie Machtverhältnisse, die sozialen Ein- und Ausschluss generieren. Auf vorhandene Bildkonstruktionen antwortet die Künstlerin oft mit eigenen Inszenierungen, macht Methoden und Strategien dieser Systeme sichtbar und entwickelt künstlerische Formen und Praxen der Einmischung in aktuelle gesellschaftliche Prozesse. In ihrem Werkzyklus history is a work in process führt Petra Gerschner eine Auseinandersetzung mit der Struktur und Ordnung des öffentlichen Raums, mit den Spuren sozialer Widersprüche, mit Protest und Widerständigkeit. Sie befragt dabei das Potential sozialer Bewegungen zur Intervention in gesellschaftlichen Prozessen sowie deren kollektive Erfahrungen und emanzipatorische Möglichkeiten. Gerschner stellt auch die Frage, warum die Kämpfe begonnen, gewagt und mit welcher Perspektive sie geführt werden. In diesem Kontext initiierte sie u.a. die internationalen kollektiven Kunstprojekte holy-damn-it und war is peace.

Vlad Morariu (*1983) ist als Theoretiker, Kurator und Kunstkritiker in London tätig. Er studierte Philosophie und schloss kürzlich seine Doktorarbeit an der Loughborough University School of the Arts ab, die sich mit der gegenwärtigen Situation und den Möglichkeiten institutioneller Kritik befasst. Er hat Arthur Dantos Werk Transfiguration of the Commonplace. A Philosophy of Art ins Rumänische übersetzt (Idea, 2012) und Texte und Interviews in verschiedenen Sammelbänden veröffentlicht, etwa Atlas of Transformation (JRP-Ringier, 2010) oder Crisis, Rupture and Anxiety (Cambridge Scholars Publishing, 2012). Morariu ist seit 2011 Mitglied der Plattform ArtLeaks und seit 2007 für die Zeitschrift Idea Art+Society tätig. Vlad Morariu ist Träger des Stipendiums der Stadt Innsbruck im Künstlerhaus Büchsenhausen 2013.

Marcel Dickhage & Cathleen Schuster (beide *1977) arbeiten als KünstlerInnen seit 2001 zusammen und leben in Berlin. Ihre künstlerische Arbeit ist an der Gegenwart interessiert, entsteht in Dialogen und lässt sich als kritisch formgebend bezeichnen. Ihre konzeptuelle Herangehensweise manifestiert sich in zeitbasierten Medien und Text/Bild-Montagen sowie in der Auseinandersetzung mit Archiven.
http://www.titreprovisoire.de



Ausstellungsdetails:

Widerspruch und Gewissheit
Sezgin Boynik, Mihaela Brebenel & Vlad Morariu, Fokus Grupa, Freee Art Collective, Petra Gerschner, Cathleen Schuster & Marcel Dickhage

kuratiert von Andrei Siclodi

Eröffnung: Mi 11.06.2014, 19.00 Uhr // KUNSTPAVILLON

Begrüßung: Christoph Hinterhuber, Vorstandsmitglied
Einführung: Andrei Siclodi, Kurator

Ausstellungsdauer: 12.06. – 26.07.2014
Öffnungszeiten: Di – Fr 10.00 – 12.00, 14.00 – 18.00 Uhr; Sa 11.00 – 17.00 Uhr
Ort: KUNSTPAVILLON, Rennweg 8a, 6020 Innsbruck

Dialogführungen auf Anfrage.