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Labor: Events 2013/14

Vlad MORARIU: Educating the Contemporary Artist

Kommentierte Vorführung von „School of Saatchi“
Mo 02. 12. 2013, 19.30
Di 03. 12. 2013, 19.30 (ab 17.00 Einstimmung mit Essen, Getränken und Playlist Vlad Morariu)


„Ich verdiene daran nichts. Jeder Gewinn, den ich aus dem Verkauf von Kunst lukriere, wird wieder in den Ankauf von Kunst gesteckt. Das ist sehr erfreulich für mich, weil ich laufend weiter nach neuen Arbeiten suchen kann, um damit anzugeben. Es ist auch erfreulich für die Leute in der Kunstszene, die diese Herangehensweise als Beweis für meine Korruptheit, meine Oberflächlichkeit, meine Bösartigkeit interpretieren.“
(Charles Saatchi, „The Hideousness of the Art World“ (Die Hässlichkeit der Kunstwelt), in The Guardian, 2. Dezember 2011)

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die sogenannten „Reality-Shows“ die Fernsehschirme erobert. Im Jahr 2002, zur Blütezeit von Big Brother, machte Slavoj ´i¸ek die Beobachtung, dass diese Shows zwar vielleicht die „Realität“ darstellen, doch die Menschen darin dennoch als Schauspieler agieren. Mit anderen Worten, Menschen können sich selbst nur dann „als Realität“ spielen, wenn sie fiktive Doppelgänger ihrer selbst erschaffen. Im Rahmen der zwei im Künstlerhaus Büchsenhausen veranstalteten Filmabende stellt Vlad Morariu die Frage, was geschieht, wenn Reality-Shows auf die Kunstwelt treffen: Inwieweit wird unser Verständnis von Kunst beeinflusst, wenn Kunst im Rahmen einer Reality-Show stattfindet? Was geschieht, wenn Künstler sich selbst als Künstler spielen, oder wenn bis zu einem gewissen Grad eine Fiktionalisierung und stereotype Darstellung des Künstlers zum Tragen kommt? Welche Machtdynamiken werden dadurch aufgezeigt, und was wird durch dieses Phänomen versteckt und ausgeblendet?

Das Publikum wird mit den vier Folgen der Reality-Show School of Saatchi konfrontiert, einer Ende 2009 realisierten Kooperation zwischen dem Werbetycoon und weltberühmten Kunstsammler Charles Saatchi, der Londoner Saatchi Gallery und BBC 2. Sechs junge Künstlerinnen und Künstler wurden in eine von Saatchi temporär eingerichtete „Schule“ aufgenommen, um dort zehn Wochen lang unter Anleitung von „Schlüsselfiguren aus der Kunstwelt“ zu arbeiten, „mit dem Ziel zu dokumentieren, wie das Potenzial jeder Studentin und jedes Studenten sich mehr und mehr entfaltet“ (Presseaussendung BBC). In jeder Episode der Show mussten die Kandidatinnen und Kandidaten sich unterschiedlichen künstlerischen Herausforderungen stellen: sei es Kunst für den öffentlichen Raum im englischen Seebad Hastings, ein Dialog mit den „Meistern vergangener Jahrhunderte“, deren Werke in Sudeley Castle zu sehen sind, oder eine Ausstellung in der Saatchi Gallery. Als Preis für den Sieger oder die Siegerin des Wettbewerbs lockten die Teilnahme an einer Ausstellung in der Eremitage St. Petersburg und die Nutzung eines Studios in London für drei Jahre. Die Betreuung übernahm ein Team von Experten, bestehend aus Tracey Emin, neben Damien Hirst eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Young British Artists, Kate Bush, Leiterin der Barbican Art Galleries in London, dem Kunstkritiker, Autor und langjährigen BBC-Mitarbeiter Matthew Collings, dem Multimillionär und Kunstsammler Frank Cohen sowie Rebecca Wilson, leitende Mitarbeiterin der Saatchi Gallery. Charles Saatchi selbst war nicht in der Show zu sehen, obwohl die Entscheidung darüber, wer als Siegerin oder Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen würde, letztendlich bei ihm lag. Der Zweck der Show war, wie Saatchi eingestand, die Entdeckung und Förderung eines bis dato unbekannten Talents, das sich als der nächste Star der britischen Kunstszene entpuppen würde.

Vlad Morariu wird die beiden Filmabende jeweils mit kurzen einleitenden Worten über den Kontext der Show und Charles Saatchis umstrittenes Image eröffnen. Von besonderem Interesse ist für ihn dabei die Verbindung zu einer Reihe von Arbeiten aus den 1980er Jahren, in denen der Künstler Hans Haacke den zunehmenden Einfluss Saatchis auf die Kunstszene thematisierte. Am Ende der Vorführung soll eine gemeinsame Diskussion stattfinden und die Frage nach kritischen Gegenentwürfen analysiert werden, nach Möglichkeit mit Bezugnahme auf den örtlichen Kontext der Innsbrucker Kunstszene.

Mehr Informationen zu School of Saatchi auf der Website von BBC Two: http://www.bbc.co.uk/programmes/b00p71qk

Am Dienstag, 3. Dezember laden wir im Vorfeld der Veranstaltung ab 17 Uhr zu gemütlichem Beisammensein mit Glühwein und Essen, außerdem gibt es eine von Vlad Morariu zusammengestellte Playlist zum Hören.


Eine Veranstaltung in der Reihe Parerga: Die Politik der Rahmung im gegenwärtigen Diskurs der institutionellen Kritik von Vlad Morariu.