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Fellows: Archiv

Vlad Morariu

Theory Fellow 10/2013 - 06/2014


Parerga: The Politics of Framing in the Current Discourse of Institutional Critique


Das vorgeschlagene Projekt ist die Fortsetzung von Moriarus laufender Recherche zur gegenwärtigen Situation und den Möglichkeiten der Institutionskritik. Dabei handelt es sich um ein umstrittenes Konzept, das in den 1980er Jahren im Umfeld von Künstlern und Akademikern entstand und zur Darstellung künstlerischer Praktiken diente, welche die Art und Weise, wie eine Kunstinstitution das Kunstobjekt sowohl physisch als auch in ideologisch-konzeptioneller Hinsicht „einrahmt“, analysieren, in Frage stellen, offenlegen und manchmal auch verändern. Nach Morarius Argumentation ist es nötig, konzeptionell zwischen Institutionskritik als Kategorie der kunsthistorischen Lehre einerseits und Institutionskritik als Methodologie zur Analyse, Offenlegung und Intervention innerhalb einer institutionellen Situation andererseits zu unterscheiden. Ohne die Bedeutung der ersteren Definition schmälern zu wollen, nähert Morariu sich dem Thema mit dem Versuch, die Art und Weise, wie – in Anlehnung an Simon Sheikh – die Kritik als Methode mit der Institution als Objekt in Verbindung gebracht werden könnte, neu zu überdenken. Das für das Künstlerhaus Büchsenhausen geplante Projekt speist sich aus dieser methodologisch-praktischen Herangehensweise an die Institutionskritik. Es regt eine Rückbesinnung auf eines der wichtigsten Themen der institutionskritischen Künstler der 1970er Jahre an, nämlich den Begriff des Rahmens, und versucht zu erklären, inwieweit die Rahmung auch im gegenwärtigen kritischen Diskurs noch ein wichtiges Thema ist und wie es die künstlerische Praxis beeinflusst.

In „Die Wahrheit in der Malerei“ definiert Jacques Derrida das, was ein Supplement des Werkes zu sein scheint, nämlich das Parergon – den Rahmen –, als das, was „dem ergon, der gemachten Arbeit, der Tatsache, dem Werk entgegen[tritt], [ihm] zur Seite und zu ihm hinzu, aber es fällt nicht beiseite, es berührt und wirkt, von einem bestimmten Außen her, im Inneren des Verfahrens mit; weder einfach außen noch einfach innen.“ Parerga bedingen einen bestimmten im Werk bestehenden Mangel, als würde das Werk solche Rahmen verlangen, sie brauchen und wollen, und insoweit stellen solche Rahmen eine Ebene dar, die nicht nur vom Inneren des Werks, sondern auch vom Außen getrennt ist, „von der Wand, an der das Gemälde hängt, vom Raum, in dem die Skulptur oder Säule steht, und in der Folge von der Gesamtheit historischer, ökonomischer, politischer Einschreibungen, die den Impuls zur Signatur erzeugen.“ Und aus diesem Grund verleiht laut Derrida eben dieser Zustand des gleichzeitigen Innen und Außen dem Parergon eine kritische Funktion. Morariu geht davon aus, dass die Institutionskritik als Praxis und als Methodologie eben dieses gleichzeitige Innen und Außen des Rahmenwerks herausstreicht, das innerhalb der Ideologie einer Kunstinstitution funktioniert, aber auch die Logik einer möglichen Befreiung mit einbezieht. Der Schwerpunkt von Morarius Arbeit in Büchsenhausen wird in der Recherche dazu liegen, wie gegenwärtige künstlerische Praktiken mit dem Erbe einer Infragestellung von „Annahmen und Bedingungen des Möglichen“ umgehen, die direkt mit einer anhaltenden Reflexion aktueller Prozesse der Rahmung von Kunst in Verbindung stehen.


Vlad Morariu, geboren 1983, ist als Theoretiker, Kurator und Kunstkritiker in London tätig. Er hat Philosophie studiert und arbeitet derzeit an den abschließenden Recherchen für seine Doktorarbeit an der Loughborough University School of the Arts, die sich mit der gegenwärtigen Situation und den Möglichkeiten institutioneller Kritik befasst. Er hat Arthur Dantos Werk Transfiguration of the Commonplace. A Philosophy of Art ins Rumänische übersetzt (Idea, 2012) und Texte und Interviews in verschiedenen Sammelbänden veröffentlicht, etwa Atlas of Transformation (JRP-Ringier, 2010) oder Crisis, Rupture and Anxiety (Cambridge Scholars Publishing, 2012). Morariu ist seit 2011 Mitglied der Plattform ArtLeaks und seit 2007 für die Zeitschrift Idea Art + Society tätig.


Veranstaltungen:

Start Up Lectures 2013/14
Vlad MORARIU: Parerga: Die Politik der Rahmung im gegenwärtigen Diskurs der institutionellen Kritik
Fr 25.10.2013, 19 Uhr

Der Slogan, der Protest, ihre Institution und das Spekulative
Cathleen SCHUSTER & Michael DICKHAGE | Petra GERSCHNER | Sezgin BOYNIK | Vlad MORARIU
Ausstellungseröffnung im Rahmen der Premierentage 2013
Fr 08.11.2013, 18 Uhr

Vlad MORARIU: Educating the Contemporary Artist
Kommentierte Vorführung von „School of Saatchi“
Mo 02.12.2013, 19.30 Uhr und
Di 03.12.2013, 19.30 Uhr (ab 17.00 Uhr Einstimmung mit Essen, Getränken und Playlist Vlad Morariu)

Institutional Critique. Past Legacies and Current Possibilities
Lesekreis, initiiert von Vlad MORARIU
März und April 2014, 17.30 - 19.00
(immer mittwochs: 19. 03. / 02. 04. / 09. 04. / 23. 04.)

Widerspruch und Gewissheit
Sezgin Boynik, Fokus Grupa, Freee Art Collective, Petra Gerschner, Vlad Morariu, Cathleen Schuster & Marcel Dickhage
Abschlussausstellung kuratiert von Andrei Siclodi
12.06. – 26.07.2014, KUNSTPAVILLON
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Rahmung von Kunst: Le Porte Voix Rouge Des Masses, Dia, gefunden in London, Juni 2013