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Fellows: Archiv

Farida Heuck

Fellow 10/2010 - 06/2011

Sprachpolitik als Technik des Regierens

Ziel des Projektes ist es, Utopien für Mehrsprachigkeit zu entwickeln, in denen eine Gleichbehandlung der Sprache und Kultur von MigrantInnen und Flüchtlingen im Vordergrund steht. Als Grundlage dient der heutige Autonomiestatus Südtirols, worin der Schutz der deutschsprachigen Minderheit in Italien vollzogen wurde.
Neben dem Autonomieabkommen ist der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol vor allem die Dynamik des europäischen Integrationsprozesses sehr zugutegekommen: Der Beitritt Österreichs zur EU verbesserte die politischen Rahmenbedingungen Südtirols entscheidend und das Schengener Abkommen ließ in weiterer Folge die trennenden Aspekte der Staatsgrenze für SüdtirolerInnen in den Hintergrund treten.
Dieses neu entstandene Grenzregime lässt jedoch andere zu Minderheiten werden und stellt die Basis einer rassistischen Abschottung gegen MigrantInnen und Flüchtlinge dar. Dabei spielen das Dogma der Integrationspolitik in Europa und die verpflichtenden Integrationskurse, wobei nur die jeweilige Nationalsprache und -kultur zählen, eine entscheidende Rolle. Der Aufenthalt von vielen Nicht-EU-BürgerInnen hängt von den Ergebnissen der Abschlussprüfung der Integrationskurse ab. Wer sich diesem System verweigert oder einfach nur durch die peniblen Erfolgskontrollen fällt, muss mit Sanktionen, im schlimmsten Fall mit der Abschiebung rechnen.
Diese Praxis steht in einem gewaltigen Widerspruch zur Sprachenpolitik der Vereinten Nationen, deren Ziel es ist, die Mehrsprachigkeit zu stärken, da sie die persönliche Entwicklung des Einzelnen fördere, die berufliche Mobilität verbessere, die Wettbewerbsfähigkeit und das Verständnis anderer Kulturen begünstige. Doch welche Mehrsprachigkeit als bereichernd gesehen wird, ist nicht trennbar von (post-)kolonialen Erfahrungen sowie von migrantischen Bewegungen in Bezug auf Konzepte der Nationenbildung und Landessprachenregelungen.


Farida Heuck ist bildende Künstlerin und lebt in Berlin. In ihrer Arbeit setzt sie sich immer wieder mit dem Spannungsfeld von Kunst und Politik auseinander. Ihre multimedialen orts- und kontextspezifischen Installationen versteht sie als Schnittstelle zwischen den Bedingungen und der medi­alen Repräsentation von Migration. Dabei stehen Fragen nach Identitätszuschreibung im alltäglichen Leben, deren Stereotypisierung und die daraus folgenden Ein- und Ausschlusskriterien im Vordergrund.

http://www.faridaheuck.net


Events:

START UP LECTURES WS10/11
Farida Heuck: Sprachpolitik als Technik des Regierens
Fr 22.10.2010, 19.00

Bitte nicht nur auf Deutsch! Ideen für Mehrsprachigkeit
Vorträge von und Diskussion mit Günther Rautz, Rubia Salgado, Verena Wisthaler
Einführung & Moderation: Farida Heuck
Fr 25.03.2011, 19.00 Uhr

Demokratie am Tableau
Demokratiekongress in Tirol
Fr/Sa 29./30.04.2011 / DIE BÄCKEREI

Weiterkommen. Kunst Sprache Kino Migration
Abschlussausstellung kuratiert von Andrei Siclodi
Do 09.06.2011, 19.00, Kunstpavillon
Ausstellungsdauer: 10.06. - 23.07.2011
hp10heuck01.jpg
Farida Heuck / Zitate aus Interviews im Rahmen einer Recherche zur Integrationsdebatte für die Installation Zertifikat Deutsch / Projekt Migration, Kunstverein Köln, 2006