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Fellows: Archiv

Ana Hoffner

Fellow 09/2009 - 06/2010

QUEERE PERSPEKTIVEN IN UND AUF EUROPA

Ausgehend von den jüngsten Angriffen auf queere Paraden in Belgrad, Zagreb und Sarajevo geht das Projekt der Frage nach der Organisation von Sexualität im gegenwärtigen Europa nach. Durch eine queere Perspektive sollen herkömmliche Erklärungsmuster für Homophobie in Frage gestellt werden. So kann Nationalismus nicht als Ursache für Homophobie begriffen werden, vielmehr sind Nationalismus und die damit verbundene Homophobie Effekte globaler Umstrukturierungsprozesse, in deren Mittelpunkt die Konstruktion eines einheitlichen Europas steht. Das Ziel einer europäischen Vereinheitlichung lässt sich seit dem radikalen Bruch mit osteuropäischer Geschichte durch den Fall des Eisernen Vorhangs 1989 beobachten, insbesondere aber seit der Osterweiterung der Europäischen Union 2004.

Für die Konstruktion eines einheitlichen Europa scheinen in der Gegenwart bestimmte Formen von gleichgeschlechtlicher Politik entscheidend zu sein. Die Einführung westlicher Diskurse der sexuellen Befreiung in Osteuropa und der damit verbundene Einschluss sexueller Andersartigkeit in nationalstaatliche Gefüge und den kapitalistischen Markt formieren sexuelle Überlegenheit als wichtiges Instrument eines eurozentristischen kolonialen Projekts. Mit Hilfe von Homonormativität und Queersein, die als Beispiele eines sexuell emanzipierten Westens dienen, wird ein postsozialistischer Osten als homophob definiert.
Der sich dabei formierende sexuelle Rettungsdiskurs dient als Legitimation für die seit 1989 stattfindende Expansionspolitik und Vergrößerung kapitalistischer Märkte, die eine umfassende Kontrolle Osteuropas sicherstellen.

Privatisierung und neoliberale Umstrukturierung, die an kolonialistische Ausbeutung durch die Habsburger Monarchie erinnern, haben zu einer sozialen Deregulierung und Verelendung geführt, die im Namen der europäischen Vereinheitlichung weitestgehend unerwähnt bleiben. Osteuropäische Regionen, die als transitional bezüglich aller sozio-politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen bezeichnet werden, werden so von westlichen Wahrheitsregimen abhängig gemacht. Sexuelle Emanzipation als Beispiel eines solchen Wahrheitsregimes hat eine entscheidende Funktion, wenn es darum geht, bestimmte Formen von Sexualität für schützenswert zu erklären. Diese Sexualitäten werden in weiterer Folge dazu benutzt, ganze Bevölkerungen als sexuell unemanzipiert und damit als nicht EU-reif zu stigmatisieren.

Das Projekt geht davon aus, dass gegenwärtige Formen von Sexualpolitik in genau diese Prozesse eingebettet sind. Der durch den Kolonialismus geprägte Zivilisierungsgedanke findet seine Fortsetzung im Modell einer demokratisch funktionierenden Zivilgesellschaft, deren Teil die Integration des vormals sexuell Anderen ist. Eine solche Zivilgesellschaft soll in post-sozialistischen Staaten etabliert werden. Jedoch ist die scheinbare Öffnung westeuropäischer Gesellschaften für sexuelle Vielfalt, die als das zivilisatorische Fernziel für Osteuropa gilt, selbst nichtfunktional. In Deutschland ist beispielsweise der Kampf gegen Homophobie mittlerweile Teil einer Integrationspolitik, die MigrantInnen als RepräsentantInnen des homophoben Anderen innerhalb einer demokratisch strukturierten Gesellschaft erzeugt. Indem Homophobie zum Problem der anderen gemacht wird, erscheint die Mehrheitsgesellschaft als (neo)liberal und tolerant.


Ana Hoffner präsentiert ihre Forschungsergebnisse in Form von zwei Lectureperformances und einer Diskussionsveranstaltung und vertieft die Auseinandersetzung im Sommersemester.



Ana Hoffner ist Künstler_in und Kulturwissenschaftler_in und lebt in Berlin und Wien. Sie hat an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert und arbeitet in den Bereichen queerer und migrantischer/postkolonialer Politik.
http://anahoffner.com/
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Ana HOFFNER / raum für transmigrantische körper #2/MOEBIUS / Lecture-Performance


Büchs'n'Radio:

Suffragetten, queere Perspektiven in und auf Europa, feministische Kunst und der Black Atlantic
Start Up Lecture von Madeleine Bernstorff, Ana Hoffner und Ina Wudtke (Büchsenhausen, 09/2009)
Sendung vom Mo 05.10.2009

Koloniale Kontinuität: Kunst und Migration im neuen EUropa I + II
Ljubomir BRATIC, Ana HOFFNER, Ivana MARJANOVIC (Büchsenhausen, 04/2010)
Sendung vom Mo 07.06.2010 und Mo 05.07.2010


Veranstaltungen

START UP LECTURES WS09/10: Madeleine BERNSTORFF | Ana HOFFNER | Ina WUDTKE | Inga ZIMPRICH
Ana HOFFNER: Vom Körper zum Raum: Queere Politiken der Migration
Fr 25. 09. 2009, 19 Uhr

Ana HOFFNER: Transitional EUROPA
Lectureperformance
Di 19.01.2010, 19.00

Ljubomir BRATIC, Ana HOFFNER, Ivana MARJANOVIC: Koloniale Kontinuität: Kunst und Migration im neuen EUropa
Vorträge und Diskussion
Fr 16.04.2010, 20.00

Ana HOFFNER: I'm too sad to tell you, Bosnian Girl
Lectureperformance
Di 18.05.2010, 20.00

Verhandlungssache / Matter of Negotiation
Ausstellung im KUNSTPAVILLON
11.06.2010 - 24.07.2010
Concluding Lectures: 10.06.2010, 19.00

Demokratie am Tableau
Demokratiekongress in Tirol
Fr/Sa 29./30.04.2011 / DIE BÄCKEREI
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