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Labor: Events 2012/13

Magicgruppe Kulturobjekt - Das Symposium

INSTITUTION - OBJEKT - MATERIAL - SITUATION - AUFFÜHRUNG
mit Joerg FRANZBECKER, Marcel HILLER, Gerald RAUNIG, Katrien REIST, Tim VOSS, Valeska SCHNEIDER und Stephan JANITZKY / Sebastian STEIN / Mitra WAKIL (Kollektiv)
Fr 24. 05. 2013, 18.00 (im Anschluss Grillerei auf der Terrasse) und
Sa 25. 05. 2013, 11.00


2010 fand die erste Ausstellung der Magicgruppe Kulturobjekt (MGK) im Bonnefantenmuseum in Maastricht statt. Es war der Auftakt für eine Reihe von Einladungen verschiedenster Institutionen, die sich durch das MGK mit dem Phänomen kollektiver Arbeitsweisen und situationsbezogenem Arbeiten auseinander setzen wollten. Damals war „Magicgruppe Kulturobjekt“ der Titel für ein situationsspezifisches künstlerisches Arbeiten im Verbund. Es war nicht das Ziel, eine feste KünstlerInnengruppe zu formieren, sondern nach übergeordneten Interessen situativ AkteurInnen zu versammeln, die sich im Ausstellungszusammenhang auf unterschiedliche Weise mit Raum und Material beschäftigen. Das MGK wurde zum Arbeitsbegriff, der die Einübung von Wahrnehmung am Objekt im Umfeld ihrer Konditionierung verhandelt. Eigentlich stellt das MGK nichts aus sondern inszeniert, mit wechselnden AkteurInnen, unter einem Arbeitsbegriff, der den Ort seiner Aufführung selbst als flexibles Material behandelt, visuell verhandelt und ihn durch spezifische Hinzufügungen gerinnen lässt.
Institutionelle Orte kultureller Produktion werden nicht in ihrer exemplarischen Funktion entfremdeter Anschauung von Objekten verstanden, sondern als Bild ihrer Selbst, ihrer Funktionen und Existenzbedingungen. Das Symposium soll ein Treffpunkt tatsächlicher und möglicher ProtagonistInnen in einem Raum exemplarischer Institutionalisierung sein - einmal den Reflexionskorpus hochjagen um dann in die Selbstverständlichkeit instituierender Handlungen im Ausnahmezustand aufgeweichter, vertagter und vernichteter Objektivität zurückzukehren.

Für das Symposium soll die Arbeit des MGK Ausgangspunkt sein, um Fragen nach Verhältnissen künstlerischen Handelns zu seiner Verwendung durch institutionelle Gebilde zu aktualisieren. Der exemplarische Raum als Ort der Anschauung von Kunst scheint seit langem zergliedert in diverse institutionelle Konstrukte und entsprechend ihrer Profilbildungen ausgerichtet zu werden. Die profilspezifischen Verwendungen von künstlerischen Produktionen bedingen wiederum entsprechende Konstruktionen von Publikum. Neben dem traditionell bürgerlichen Museum, gibt es unzählige Orte, die sich als Alternative einer bürgerlich geprägten Auffassung und Verwendung von Kunst instituieren. Die Trennlinie zwischen dem Museum und seinen Alternativen ist jedoch unscharf. Einerseits gibt es den Druck auf Museen und ähnlichen institutionellen Konstrukten sich selbst aktualisieren zu müssen. Andererseits müssen sich neue institutionelle Gebilde als solche profilieren und legitimieren. Beide Pole scheinen sich durch historische Rückgriffe und einem Absorbieren neuer Erzähl- und Vermittlungsstrategien einander anzunähern. Als vereinbarte öffentliche Orte pendeln sie zwischen diskursivem Informieren und Politisieren und der Selbsterfahrung ihrer Öffentlichkeit. Sie verpflichten sich als Spezialisten einer kulturellen Syntaxbildung um ihre Arbeit übergreifend zu fundieren und relevant zu sein.

Rückblickend lässt sich sagen, das MGK halte sich im Humus eines Institutionskonglomerats auf und entwickelt das Situative zwischen Referenz und Autonomie zur Verwirklichung einer Unschärfe als hyperrealen Ist-Zustand. Es verwendet Kenntnisse, ohne diese abstrakt zu referieren und inszeniert situationsspezifisch in der Brüchigkeit objektiver Anschauung. Das Symposium soll der Versuch sein, durch die Blickwinkel sich verschieden profilierender KulturarbeiterInnen und WissensproduzentInnen, Beschreibungen realer Zustände von Kulturproduktion zu ermöglichen.
(Text: Marcel Hiller)

Im Anschluss an die Veranstaltung am Freitag, 24. Mai laden wir zu einem gemütlichen Grillabend auf der Kastanien-Terrasse.

Eine Veranstaltung in der Reihe Reflexionstool Kollektivität von Marcel Hiller.


Marcel Hiller // Fellow Künstlerhaus Büchsenhausen
Als Initiator des MGK versucht Marcel Hiller an einem Beispiel kurz seine Ansätze zum Verständnis von Raum und Material anhand des Bushofes der kleinen Gemeinde Gulpen im Süden der Niederlande vorzustellen. Er greift damit auf einen gescheiterten Vortrag zurück, den er 2011 an der Jan van Eyck Akademie im Rahmen der jährlichen opening Lectures hielt. Im Rückblick auf die Inszenierungen des MGK scheint ihm das Lesen solcher räumlichen Situationen und Verdachtsmomente auf eingeschriebene Ismen und Behauptungen maßgeblich für die Entwicklung seiner Handlungen innerhalb des MGK zu sein.

Gerald Raunig // Philosoph und Kunsttheoretiker
Gerald Raunig ist Philosoph und unter anderem maßgeblicher Protagonist einer Aktualisierung des Institutionsbegriffs. Ausgehend von einer rückblickenden Bewertung institutionskritischer Kunst und ihrer Einflüsse beschrieb er die Neu- und Umformung institutioneller Apparaturen, um zu dem Begriff instituierender Praxen zu kommen. Für das Symposium wird er das Konzept des Streifens und Glättens aus seinen essayistischen Bänden Fabriken des Wissens und Industrien der Kreativität vorstellen. Es kann als Ausdehnung instituierender Praxen auf übergreifende Bewegungen der Wiederaneignung von Raum und Zeit in einem Kontext der multiplen Krise verstanden werden. 

Tim Voss // Kurator, ehem. Kunsthal W139 Amsterdam, Direktor Künstlerhäuser Worpswede
Bewegungsgefühle: "Als er dachte, er könne voraussetzen, daß ich zuhöre, bat er mich, dich zu fragen, ob du wüßtest, daß er wisse, daß ich gesehen hatte, wie er dem Mann, dem ich antwortete, daß ich keine Antworten geben würde, einen raschen Blick zuwarf." (frei übersetzt nach Marcel Duchamp) 
Wir können alle Verhältnisse verheimlichen oder aufblähen, auseinander nehmen oder zusammenfassen, teilweise streichen oder ergänzen, aus- oder umformulieren, heute beenden oder auch vertagen - es bringt alles nichts. Jedes von uns umrissene Verhältnis ist scheinbar schon an sich nichts weniger als eine Anmaßung, die das, die den, die die zu unserem Opfer erklärt. Okay - so oder so ähnlich ist das jetzt schon länger. Und warum interessiere ICH MICH JETZT auf einmal für Thomas Houseago, verflixt noch mal?

Joerg Franzbecker // freier Kurator
Das MGK generiert sich temporär und kollektiv. Joerg Franzbecker fragt nach Rollenzuschreibungen und Setzungen in situativen Verhältnissen und wie sich diese für den Betrachter darstellen. Er arbeitet als Kurator aktuell mit Eran Schaerf an dem Projekt FM-Scenario – Die Stimme des Hörers und lebt in Berlin.

Katrien Reist // ehem. general manager Kunsthal Extra City Antwerpen
Das Magicgruppe Kulturobjekt entzieht sich ganz bewusst jedem kuratorischen Format und Genre. Diese 'Verweigerung' konstituiert einen Kontext, in dem sich die künstlerische Produktion äußerst intelligent zugleich institutionellen Grenzen anpasst und diese bricht, negiert und/oder in Frage stellt. Reist hat als Künstlerin, Kuratorin, Produzentin und Institutionsleiterin unterschiedliche Rollen in der Produktion von Kunst eingenommen, wobei die Frage nach der Kunst als soziales und soziologisches Vehikel immer im Zentrum stand. Reist studierte Kunst am Bau, kuratierte verschiedene Projekte im öffentlichen Raum und ist Mitbegründerin von JUBILEE, einer in Brüssel ansässigen Plattform für Langzeitrecherchen und künstlerische Produktion mit diskursivem Output. Reist wird über die institutionelle Herausforderung in Bezug auf die Arbeit mit das MGK sprechen.

Valeska Schneider // Kuratorin
Valeska Schneider arbeitet an der Vermittlung von Kunst als Kuratorin und Pressesprecherin. In beiden Positionen war sie an Institutionen wie dem Museum Ludwig in Köln, den Kunst-Werken in Berlin oder – wie derzeit als kuratorische Referentin – am KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin tätig. Der wiederkehrende Rollenwechsel zwischen Kuratorin und Pressesprecherin hat den Aspekt der Vermittlung in ihrem Handeln gestärkt und Fragen nach den Möglichkeiten, für Kunst eine Sprache zu finden und diese jeweils zu adressieren ins Zentrum gerückt.

NO FUTURE Komplex // KünstlerInnen- und KuratorInnenkollektiv
Unter diesem Label trainieren zur Zeit* Mitra Wakil, Sebastian Stein, Stephan Janitzky zusammen in einem weit gefassten, freundschaftlichen Zusammenhang den Angriff auf hermetische Formatierungen im Kontext der zeitgenössischen Kunst und der dazu in Beziehung stehenden Theorieproduktion. Insbesondere weil diese als langweiliger Erfahrungsraum und durch perspektivlose Irrelevanz sehr sehr unangenehm auffallen.
* entstanden aus dem im November 2011 im Lothringer13_Laden stattgefundenen Projekt NO FUTURE: bourgeois escapism and preaching to the converted (http://laden.lothringer13.de/2011/from-no-future-to-public/ )
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Magicgruppe Kulturobjekt und Lothringer 13/Laden