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Labor: Events 2012/13

Karl Ingar RØYS: Caminata Nocturna

Filmvorführung und Diskussion mit David RYCH und Karl Ingar RØYS
Fr 05. 04. 2013, 20.00


Karl Ingar Røys’ Caminata Nocturna dokumentiert die Flucht und Verfolgung illegaler Wirtschaftsmigranten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA; zumindest scheint es auf den ersten Blick so. Tatsächlich jedoch wird in dem Video eine Nachstellung solcher Geschehnisse gezeigt, nämlich eine Show für TouristInnen, in Szene gesetzt von den Einwohnern der 2.000 km von der Grenze entfernt liegenden Stadt Alberto. Diese Variante eines Abenteuerurlaubs ermöglicht es den – hauptsächlich mexikanischen – TouristInnen, einen illegalen Grenzübertritt in die USA sozusagen live zu erleben und zu genießen, denn schließlich geht es im Tourismus immer darum, Glücksmomente zu schaffen. Diese Simulation der Hoffnungen und Ängste von MigrantInnen wurde erstmals im Juli 2004 in Alberto inszeniert und ist Teil des Programms des Parque EcoAlberto, eines mithilfe des mexikanischen Staates finanzierten „Öko-Ferienparks“.
Indem er die ZuschauerInnen zwischen den zwei Bildschirmen platziert und die Schwierigkeit der Darstellung einer Facette der kapitalistischen Wirtschaft – wie der illegalen Migration – aktiv aufgreift, stellt Røys sicher, dass diese Frage im Mittelpunkt seines Werks steht. In Caminata Nocturna geht es jedoch nicht nur um eine simple Wiedergabe. Das Video präsentiert die Touristenwanderung als quasi real und lässt erst gegen Ende Zweifel an der Echtheit der dargestellten Verfolgungsjagd und Gefangennahme aufkommen. Auf diese Weise zerschneidet Røys die Finsternis, die aus Wirtschaftsmigration und staatlicher Kontrolle entsteht, und konstruiert daraus eine fiktionale Topographie. In dieser Hinsicht funktioniert Caminata Nocturna wie eine Landkarte oder graphische Darstellung, die, wenn man sie zusammenfaltet, eine Collage aus der kapitalistischen Bilderwelt einerseits und essentiellen, sehr realen Fragen politischer Souveränität, wirtschaftlicher Ausbeutung und Subjektivität andererseits ergibt. In diesem Video geht es ebenso sehr um den Leidensweg von WirtschaftsmigrantInnen im globalen Kapitalismus – Arbeitskräfte, die gezwungenermaßen den Flüssen des Kapitals folgen und dabei schwere Strafen in Kauf nehmen – wie um die Vortäuschung der erlebten Nachstellungen und Bilder, die in Caminata Nocturna inszeniert werden.
(Text: John Cunningham. Deutsche Übersetzung: Astrid Tautscher)

Eine Veranstaltung in der Reihe Border Act von David Rych.


Karl Ingar Røys wurde in Volda, Norwegen geboren, lebt in Berlin, Oslo und London. Die künstlerische Strategie von Karl Ingar Røys basiert auf seiner kritischen Forschung zu Abbildern, Film und Symbolen als subjektiv kontrollierte Instrumente der Übertrag- und Übersetzbarkeit. Hierzu reorganisiert er kontextuelle und narrative Strukturen um die zugrunde liegenden Mittel der Bedeutung zu untersuchen. Dabei setzt er den Schwerpunkt auf die Dekonstruktion und Konstruktion von Bedeutung in einem vorgegebenen oder institutionalisierten Kontext. In diesem untersucht er die Zusammenhänge zwischen Politik, Ökonomie und Kunst.


Caminata Nocturna wurde produziert mit Unterstützung von Billedkunstnernes Vederlagsfond Norway.
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Caminata Nocturna © Karl Ingar Røys