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Labor: Events 2007 - 2009

BÜCHSENHAUSEN CONCLUDING PRESENTATIONS: Michael Hieslmair | Isidora Ilić

Installationen
Sa 27.06.2009, 19.30

Die Abschlusspräsentationen der Fellows des Internationalen Fellowship-Programms für visuelle Künste und Theorie im Sommersemester 2009 finden in diesem Jahr im Rahmen der performIC statt.
Michael Hieslmair
Remix Alpin – Ein Work in Progress zur Koproduktion von touristischen Bühnenlandschaften

Ziel des Rechercheprojektes Exit – Stop and Go, an dem Michael Hieslmair während seines Fellowships in Büchsenhausen gearbeitet hat, war, die Einflüsse von transnationalen, touristischen und migrantischen Erfahrungen des Inntals und seiner Seitentäler in ein Wegediagramm zu übersetzen, in dem die zunehmende Bedeutung von Terminals als Netzwerkknoten für den Lebensalltag der AkteurInnen ersichtlich wird.

Die Installation Remix Alpin bildet den vorläufigen Abschluss dieser künstlerischen Untersuchung. Den Schwerpunkt der Analyse bilden die hybriden Akteurskonstellationen (und hybriden Zielgruppen), die ebenso hybride Zeichensysteme und Kulturen hervorbringen. Über transnationale Akteursnetzwerke findet fortdauernd eine Vielzahl an Themen und deren Inszenierung ihren Weg in die Tiroler Talschaften.

In typischen alpinen Erlebnislandschaften fallen in der Regel an drei topografischen Schwerpunkten terminalartige Bebauungen ins Auge: Am Tal-Eingang die Tankstelle, der Souvenir-Shop, der Super-Markt, die Großdisko sowie die Brücke, die den Fluss überquert, im Ortszentrum die Talstation, das Parkhaus, der Schiverleih, die Schirmbar, Hotels, Restaurants, Nachtklubs, auf der Mittelstation schließlich die Gastro- und Sondereventzone.

An diesen Orten wird versucht, den BesucherInnen Versatzstücke aus unterschiedlichen Populärkulturen (einschließlich der Popularisierung ehemaliger Hochkulturen) anzubieten, die von einer improvisationsreichen Bricollage der Bau- und Inszenierungstechniken - innen wie außen - gekennzeichnet sind. Zentral ist dabei die Auswechselbarkeit der Themen, der Zeichensysteme und der Dienstleistungsangebote, die entsprechend der wandelnden Nachfrage ausgetauscht werden. Demnach befinden sich sowohl die "festen" baulichen Hüllen, als auch die temporären Event-Architekturen in einem kontinuierlichen Prozess des Umbaus und des Transitorischen.

Die Errichtung, Adaption und Bespielung – im touristischen Dienstleistungs-Alltag wie während der Laufzeit außergewöhnlicher Großevents – ist eine Koproduktion, an der keineswegs nur lokale Akteure beteiligt sind, sondern auch urbane Experten, Expats und MigrantInnen. Für die BesucherInnen ist der räumliche Ausschnitt zwischen Taleingang, "Saisonstadt" und Gletscher ein Sehnsuchtsort, den sie – in einem Rausch zwischen einsam erfahrbarer Weite der alpinen Berglandschaft und gekonnt hergestellter sozialer Dichte – durch ihre Erwartungshaltung mitbauen.

Die Installation:
Ein begehbares Landschaftsmodell in Form einer engen U-förmigen Event-Tribüne bildet die abstrahierte räumliche Struktur einer alpinen Tallandschaft. Auf drei verschiedenen Höhenstufen der Tribünenlandschaft sind signifikante Schnittmodelle der für die Erzählung zentralen Bauwerken eingesetzt. Jeder Modellgruppe sind Hörstationen zugeordnet, die in kurzen Audiospuren beteiligte Akteure beschreiben. In die Tribünenlandschaft eingelegte Wegenetze markieren die Kreuzungspunkte der Akteure im Tal und verbinden sie mit den Vorbild-Regionen ihrer Inszenierungen.

Im Rahmen der Abschlußpräsentation wird Michael Hieslmair eine performative Erkundung des "Recherche-Raums" in Büchsenhausen durchführen.


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Michael Hieslmair: Remix Alpin, 2009
Isidora Ilić
Voices_Gazes_Traces

Als Abschluss ihres Projektes Writing the Female Film zeigt Isidora Ilić die Videoinstallation Voices_Gazes_Traces (Stimmen_Blicke_Spuren).

"Die Rekontextualisierung von filmischem Material in eine Galerie-Installation wird als Vehikel gewählt, um die (Un)Möglichkeiten der Konstruktion einer anderen Art des Filmemachens, die zu einem 'weiblichen Film' führen könnte, zu hinterfragen. Die feministische Sicht auf die Darstellung von Frauen im Film und in filmischen Strukturen auf der Basis der Logik des Ödipus-Komplexes und des männlichen Blicks stand im Mittelpunkt der Untersuchungen, die von Filmtheorie, Literaturtheorie und feministischen Kunstpraktiken ausgingen. Der Rückgriff auf Szenen aus der goldenen Ära Hollywoods ermöglicht mir als Künstlerin nachzuvollziehen, wie Repräsentation funktioniert, diese zu kommentieren und auch womöglich zu einer anderen Art, Film zu strukturieren, beizutragen. Gleichzeitig versuche ich, diese Zustände durch verschiedene Modi der Konzeption abzuwandeln, durch Film/Performance und Experiment.

Das Projekt adressiert Fragen des Blicks und der Sprache und nahm als Ausgangspunkt den Essay 'Das Lachen der Medusa' von Hélène Cixous aus dem Jahr 1975, in dem das Konzept einer feministischen Ecriture vorgestellt wurde. Die fruchtbare Metapher des Medusa-Mythos dient darin als Ausdruck für die Unterwerfung des weiblichen Körpers und die Versklavung des weiblichen Geistes durch eine gewalttätige und unterdrückende, männlich orientierte Kultur, die Medusas lebenspendende, schöpferische, ursprüngliche Kraft als bedrohlich empfindet. Zur selben Zeit zeigt der griechische und römische Medusa-Mythos, wie ihn Ovid erzählte, wie die Erzählung umgewandelt und durch die symbolische Ordnung der Sprache zweckentfremdet wurde – obwohl er ursprünglich eine Schönheit bezeichnete, verweist der Name mittlerweile umgangssprachlich auf ein 'Monster'.

Die symbolische Ordnung der Wörter und Blicke fungiert als Bühne, auf der die männliche Wahrnehmung alles unterwirft. Könnte weibliche Wahrnehmung innerhalb dieses Systems konstituiert werden? Würde die Frau auf diese Weise diese Ordnung bestätigen? Könnte die Frau als die Andere, indem sie die Sprache zurückweist, einen Raum jenseits der symbolischen Ordnung, die sie unterdrückt, artikulieren?"
Isidora Ilić


Das Projekt wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung von WAMS
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Isidora Ilić: Voices_Gazes_Traces, 2009, Videostill