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Labor: Events 2007 - 2009

JENSEITS DES BIOTOURISMUS: Kunst und Medizin im Dialog

Symposium
Fr 15.05.2009, 18.30 Uhr

Teilnehmer: Vincent Barras, Cornelius Borck, Christina Lammer, Tamar Tembeck

Das kleine Symposium JENSEITS DES BIOTOURISMUS: Kunst und Medizin im Dialog findet komplementär zur Ausstellung Auto/pathographies statt, die von Tamar Tembeck kuratiert und am 2. Juli 2009 im Innsbrucker Kunstpavillon eröffnet wird.

Kam es in den vergangenen Jahren zu gegenseitigen Befruchtungen zwischen künstlerischen und medizinischen Formen der Repräsentation, so kreisten diese meist um die anhaltende Faszination der „Visualisierung des Realen“. Kunstausstellungen, wie auch Fernsehserien, stellten zunehmend die verborgenen Landschaften des menschlichen Körpers dar und präsentierten sie als unerforschte Territorien, offen dem forschenden Blick des ungeschulten Auges dargeboten. Dank seiner Verbreitung, z.B. im Zuge von Orlans berüchtigten und live um die Welt übertragenen Vorführungen von Schönheitsoperationen und der Zurschaustellung vor Zusehern von tatsächlichen écorchés in Wanderausstellungen durch Körperwelten, ist „Biotourismus“[1] heute allen zugänglich.
 
Während das Versprechen einer „Offenlegung des Realen“ die Anziehungskraft auf die allgemeine Öffentlichkeit von Darstellungen basierend auf medizinischen Vorgängen erklären mag, bleibt das Interesse an solchen Praktiken jedoch keineswegs auf ihren exhibitionistischen Reiz beschränkt. Jenseits des Spektakels von verborgenen Anatomien bergen die Wechselwirkungen zwischen Kunst und Medizin das Potenzial zu kritischen Erkenntnissen zu den Annahmen, die die Fundamente der beiden Disziplinen bilden. Was mögen etwa die visuellen Epistemologien der Medizin über die Prozesse verraten, die der künstlerischen Praxis zugrunde liegen? Kann die Kunst andererseits, wenn sie in die medizinische Sphäre integriert wird, über ihre herkömmlichen ästhetischen oder sogar therapeutischen Funktionen hinausreichen? Jenseits des Biotourismus versammelt Darstellungen von Forschern aus dem Gebiet der Medical Humanities, deren Untersuchungen zu spezifischen Beispielen der Befruchtung zwischen Kunst und Medizin den Rahmen bilden, um sich diesen Fragen zu widmen. (Tamar Tembeck)

[1] Biotourismus ist die „Transformation von Körpern in Landschaften, ihre Neu-Erschaffung als Bio-Landschaft für imaginäre Reisen und die Errichtung von Regimen von Wahrheit und Wissen, indem man das Unsichtbare sichtbar macht“. Übersetzt aus Kim Sawchuk, „Parables of a Biotourist“, HorizonZero 6 (Jänner 2003) <http://www.horizonzero.ca/textsite/see.php?is=6&file=10&tlang=0>


Tamar Tembeck / Einführung

Tamar Tembeck lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin, Autorin und Performancekünstlerin in Montreal. Zur Zeit bereitet sie als Theory Fellow im Künstlerhaus Büchsenhausen die Ausstellung Auto/pathographies - (Selbst-)Darstellungen des Krank-Seins in der zeitgenössischen Kunst vor, die am 2. Juli im Innsbrucker Kunstpavillon eröffnet wird. Seit 2003 ist Tamar Tembeck auch als Kunsttherapeutin für Dr Clown in Krankenhäusern, Langzeit-Einrichtungen und Rehabilitationszentren in Montreal tätig.


Vincent Barras / Zungenrede, Halluzination und Moderne: Über Sound und visuelle Praktiken in Medizin und Kunst

Vincent Barras ist Professor für Medizingeschichte an der Universität Lausanne. Neben den Forschungsschwerpunkten Theorie des Körpers, der Medizin und der Psychiatrie zählen das Kuratieren von Literatur- und Performance-Events zu den Hauptinteressen von Barras. Er ist Gründungsmitglied des Musikverlags Editions Contrechamps und selbst als Performer aktiv. Jüngste Publikationen: Symptômes (mit J. Demierre, 2006) und Le courrier du corps au XVIIIe siècle (mit S. Pilloud und M. Louis-Courvoisier, 2009). Barras hat auch zahlreiche Übersetzungen ins Französische veröffentlicht, unter anderem Theodor W. Adornos Einführung in die Musiksoziologie (mit C. Russi, 1992), und John Cage’ Silence (2003).


Cornelius Borck / Fast Nichts: Über das Unscheinbare in Kunst, Medizin und Wissenschaft

Cornelius Borck ist Direktor des Instituts für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität zu Lübeck. Zuvor war er Canada Research Chair in Philosophy and Language of Medicine an der McGill Unviersity, Montreal und Leiter der Forschungsgruppe Das Leben schreiben an der Bauhaus-Universität in Weimar. Arbeitsschwerpunkte: Körper, Geist und Selbst in Zeiten biomedizinischer Visualisierungsverfahren; historische Epistemologie und Medientheorie; Mensch-Maschine-Verhältnisse in Kunst und Wissenschaft.


Christina Lammer / Skalpellmalerei: Günter Brus’ Narbenlehre

Christina Lammer lebt und arbeitet als frei schaffende Soziologin, Kommunikations- und Kulturwissenschafterin in Wien. Sie beschäftigt sich mit der Visualisierung des menschlichen Körpers in der Medizin, in der bildenden Kunst und im Film. Gegenwärtig realisiert sie an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik in Wien ihr Habilitationsprojekt mit dem Titel Der unSichtbare Körper. Zudem leitet sie an der Medizinischen Universität Wien (MUW) ein umfassendes Fächer übergreifendes Klinikprojekt zur Körperwahrnehmung sowie zu Kommunikationsprozessen im Krankenhausbetrieb.


Eine Veranstaltung in der Reihe AUTO/PATHOGRAPHIES von Tamar Tembeck.



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