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Labor: Events 2007 - 2009

Călin Dan: Walks through Emotional Architecture

Kurzfilme und Diskussion im CINEMATOGRAPH
Do 07.05.2009, 19.00 Uhr

CINEMATOGRAPH, Museumstrasse 31, 6020 Innsbruck


Walks Through Emotional Architecture präsentiert vier Videofilme des holländisch-rumänischen Künstlers Călin Dan, die sich mit dem Verhältnis zwischen Raum und Identität beschäftigen.

Călin Dan's künstlerische Praxis kombiniert Recherchen mit freier Kreativität und findet ihren Niederschlag in der Entwicklung von Projekten, die soziale Anliegen mit Aspekten der Unterhaltung und der Popkultur verbinden. In den letzten Jahren bekam er internationale Anerkennung für seine Videoreihe Emotional Architecture. Darin untersucht er das labile (Un)Gleichgewicht zwischen Menschen und ihrem Lebensraum sowie die Art und Weise, wie politische und ökonomische Kräfte es konditionieren.

Die Vorführung umfasst die drei Filme aus der Serie Emotional Architecture - Sample City, Trip und 17.12.65 und dazu den Film Ra aus dem Jahr 2000. Nach den ersten Filmen findet eine Diskussion zwischen Călin Dan und Andrei Siclodi, Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen statt.
hp09dan01.jpe
Trip, 2006, Videostill
Sample City, NL/RO, 2003, 11:45 Min., Beta SP, Farbe, OF mit englischen Untertitel
Mit entlehnten Bild- und Tonsequenzen zeichnet Călin Dan ein Porträt der Stadt Bukarest. Verfallene Wohnblöcke neben Siedlungen aus Reihenhäusern, Romafamilien, die mit ihren Pferden und Wagen auf brachliegenden Flächen inmitten der Stadt kampieren, heruntergekommene Straßen und neue Shopping-Paradiese – das ehemals kommunistische Bukarest ist heute eine Stadt im Aufruhr, voller sozialer Gegensätze und Widersprüche. Die Spannung zwischen der unkontrollierbaren urbanen Ausdehnung und der Fähigkeit zur Improvisation und Anpassung der Bewohner bestimmt die emotionale Dimension der Stadt.

Trip, EE/NL, 2006, 15:00 Min., Beta SP, S/W u. Farbe, OF mit englischen Untertitel
Trip ist inspiriert vom Hauptwerk des Architekten Raine Karp, nämlich der modernistischen Konzerthalle, die er für die Stadt Tallinn zwischen 1975 und 1980 errichtete. Als wichtigstes modernes Gebäude Estlands betrachtet, ist die Linnahall eine Art Zeitkapsel, die die utopischen Ideen von zentralisierter Macht und egalitärem Modernismus konserviert, und ein Beispiel dafür, wie Architektur in unserer korporatistischen Zeit öffentliche Emotionen schüren kann. Der Film stellt die Linnahall als einen archäologischen Unfall vor, ein gestrandetes Raumschiff und einen Schrein für sowjetische Nostalgie.

17.12.65, NL, 2008, 09:00 Min., Beta SP, S/W u. Farbe, OF mit englischen Untertitel
17.12.65 führt durch die Vergangenheit von Heerlen / NL. Bis Ende des 19. Jhs. von der Geschichte scheinbar unberührt, löste die Entdeckung von Kohle dort eine industrielle Revolution im Zeitraffer aus. Diese Revolution wich etwa sechzig Jahre später der Konkurrenz von billigeren Kohlenimporten und Erdgas. Am 17. 12. 1965 kündigte die niederländische Regierung die Schließung der Kohlenindustrie in der Region an. Das Datum markiert hier quasi den Beginn der Globalisierung, die seither die Welt verändert. Eine jahrzehntelange Entwicklung wurde innerhalb einiger Jahre umgekehrt. Heerlen wurde zu einer schrumpfenden Stadt.

RA, RO, 2000, 57 Min., Beta SP, Farbe, OF mit englischen Untertitel
Das Filmmaterial entstand 1994 aus Anlass einer Ausstellung, die der Unterstützung von sozialen Projekten in der rumänischen Kunstszene dienen sollte. Der Film zeigt, wie ein Land mit einer komplexen Geschichte und sozialen Struktur und einem vielfältigen kulturellen Erbe sowohl mit den Kräften der Globalisierung als auch mit langen totalitären Erfahrungen zu kämpfen hat. RA setzt sich aus neun Blöcken verschiedener Länge zusammen. In der Reihenfolge des Schnitts beschäftigen sie sich mit folgenden Themen: das Universum der Amateurmalerei (in Supermärkten verkaufte Bilder) und die Vorurteile des professionellen Künstlers; wie kann Spiritualität in Bukarest überleben, einer von kommunistischem Urbanismus ausgehöhlten Stadt (Künstler: Ion Grigorescu); wo finden alte Menschen Unterschlupf und wie überleben sie Armut und Krankheit in einem Land ohne soziales Auffangnetz (Künstlerin: Marilena Preda-Sanc); die komplexe ethnische Struktur von Transsylvanien, gesehen durch die Augen eines Künstlers, der seine bäuerlichen Wurzeln erkundet (Künstler: Rudolf Kocsis); wie sehen die Straßen von Bukarest aus für den, der die Einsamkeit bekämpft, indem er sich durch die Stadt treiben lässt (Künstler Iosif Kiraly); ein Blick auf die Printmedien in einer Provinzstadt und wie die Menschen auf Störungen ihres Alltags reagieren (Künstler: Adrian Timar); wie leben die ärmsten Roma mit dem schweren Erbe von Ausgrenzung und Misstrauen (Künstler: Marcel Bunea); wie ein Avantgarde-Künstler das Leben der Bauern in seinem Heimatdorf ändern kann (Künstler: Alexandru Chira); ein Künstler, der wie viele andere Rumänen aus einem bäuerlichen Umfeld stammt, hinterfragt seine soziale Stellung, indem er sich in Kuhmist begraben lässt (Künstler: Gheorghe Ilea).
hp09dan02.jpg
Sample City, 2003