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Labor: Events 2007 - 2009

Jochen Becker: 1. April 1952 - eine kommentierte Filmschau

Film und Diskussion
Di 15.07.2008, 20.00


Das Künstlerhaus Büchsenhausen zeigt bis zum 3. Oktober 2008 die Ausstellung Jochen Becker: Liberation // Libération. Die Ausstellung, die im Juni 2008 im Innsbrucker Kunstpavillon zu sehen war, erfährt eine Aktualisierung und wird im Labor des Künstlerhauses neu aufgestellt.

Im Rahmen der Neueröffnung hält Jochen Becker am 15. Juli 2008 um 20 Uhr unter dem Titel 1. April 1952: Die Geburt einer Kulturnazion im Künstlerhaus Büchsenhausen eine kommentierte „Filmschau“ ab, in deren Mittelpunkt der Film "1. April 2000" von Wolfgang Liebeneiner steht:


„Dieser Film entstand mit großzügigster Unterstützung der staatlichen und kirchlichen Behörden sowie unter breitester Anteilnahme des Volkes von Österreich“, heißt es im Vorspann des prestigeträchtigen und prominent besetzten Österreich-Films "1. April 2000". Der 1952 und somit noch unter alliierter Kontrolle fertig gestellte Spielfilm in der Regie von Wolfgang Liebeneiner imaginiert das Ende der alliierten Besatzung – allerdings auf eine ferne Zukunft hin. Drei Jahre später, am 15. Mai 1955, wurde der Besatzungsstatus mit Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags für beendet erklärt.
Im Film geschieht dies allerdings anders: Das Land wird vor dem internationalen Gerichtshof der Weltschutzorganisation angeklagt. Österreich soll aufgelöst, die Bevölkerung in die Sahara umgesiedelt, und das Territorium zum Naturschutzgebiet mit touristischer Museumslandschaft umgewidmet werden. Die Anspielungen auf UNO und Nürnberger Prozesse, aber auch Vorstufen des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag oder der afrikanischen Wahrheitskommissionen lassen hier neue Formen von global ausgerichteter Politik erahnen.
Die Österreicher wollen beweisen, dass sie ein liebenswürdiges Volk seien. Zur Verteidigung ruft der Ministerpräsident per Knopfdruck altes Filmmaterial ab, aus dessen retuschierter Historie der Faschismus vollkommen gelöscht ist. Der Staatschef aktiviert zusätzlich Burgschauspieler als Darsteller geschichtsträchtiger Österreicher wie Prinz Eugen, Maria Theresia oder Sissi. Mit großer Statisterie und Requisiten aus den Museumsbeständen lässt man die Historie als Re-Enactment abspielen. Österreich präsentiert sich als harmlose Kulturnation.
In den eurozentrischen Verteidigungs-Clips und -Szenen fehlt die Perspektive der wirklichen Opfer. Das Kultur liebendes Land selbst erscheint hier als eigentliches Opfer, und hat zudem „Europa“ vor der türkischen Invasion gerettet.

Der Regisseur des Österreich-Films, Wolfgang Liebeneiner, war nur wenige Jahre zuvor wichtiger Filmfunktionär des Dritten Reichs. Goebbels bezeichnete ihn in seinen Tagebuchnotizen als „jung, modern, strebsam und fanatisch“. 1941 führte er in enger Zusammenarbeit mit dem NS-Propagandaministerium Regie im Film „Ich klage an“, der als „Euthanasiefilm“ gilt, welcher die Patientenmorde der Aktion T4 rechtfertigen sollte.“ Jochen Becker
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Jochen Becker arbeitet als Autor, Dozent und Kurator in Berlin. Er ist unter anderem gemeinsam mit Stephan Lanz Herausgeber der metroZones-Buchreihe "Space / /Troubles" (2003), "Hier entsteht" (2004), "Self Service City: Istanbul" (2005), "City of COOP: Buenos Aires / Rio de Janeiro" (2004), Kabul/Teheran 1979ff" (2006) und "Architekturen auf Zeit" (2006). Als Kurator war er zuletzt für die Projektreihe "From / To Europe #1-3" in der Shedhalle Zürich (2006-2007) verantwortlich. Aktueller Textbeitrag: Ways Through War. The African Liberation of Europe


http://www.metroZones.info




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